Nadia Damaso, wie sind Sie überhaupt zur Food-Bloggerin geworden?

Ich selber sehe mich nicht als Food-Bloggerin. Wenn mich zum Beispiel mein Grossvater fragen würde, wie genau ich mich momentan bezeichne, würde ich ihm antworten, ich sei Kochbuchautorin und Food-Künstlerin – oder mit andern Worten: ein kreativer Kopf in alle Richtungen, gefüllt mit Leidenschaft.

Ihre beiden Kochbücher «Eat Better Not Less» und «Eat Better Not Less—Around the World» haben sich zum Renner entwickelt. Nicht zuletzt wegen der tollen Fotografien. Worauf führen Sie den Erfolg sonst noch zurück?

Ich glaube, dass die Leserinnen und Leser spüren, dass ich mit viel Leidenschaft und Passion bei der Sache bin. Die Bücher regen an, sprechen gleichzeitig alle Sinne an und wecken Emotionen.

Sie betonen die Leichtigkeit für gesundes Essen im Alltag. Muss ich nun ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mich nicht an Ihre Ratschläge halte?

Nein, auf keinen Fall. Das Wichtigste ist, dass man dem Körper das gibt, was ihm guttut. Da gibt es weder ein Richtig noch ein Falsch, noch ein Gut oder Schlecht. Wenn das, was man isst, dem Körper bekommt, macht man sicher nichts falsch.

Wie lassen Sie sich von klassischen Schweizer Rezepten inspirieren und was machen Sie daraus?

Gewisse Klassiker soll man so lassen wie sie sind. Mir geht es nicht darum, klassische Rezepte neu zu erfinden. Was mich am meisten inspiriert, ist die Natur, all die Farben, Formen und Geschmäcke. Und natürlich verwende ich am liebsten die Zutaten, die gerade wachsen, reifen und in voller Pracht an den Bäumen hängen. Die Schweiz bietet da in allen Aspekten mehr als genug.

Stichwort Food-Fotografie: Weshalb spielt für Sie der ästhetische Aspekt eine so grosse Rolle?

Vor allem wegen der Emotionen. Beim Essen kann man Emotionen wecken und einfangen. Nicht alles muss dabei perfekt sein. Man soll sich einfach von seinen Gefühlen leiten lassen und daraus etwas kreieren. Kochen und Anrichten ist Kunst für mich.

Wie können wir dank Kunst und Fotografie zu einem besseren und nachhaltigeren Konsum motiviert werden?

Je attraktiver etwas aussieht, je mehr der Betrachter die Qualität und Sorgfalt entdeckt, die hinter einer Mahlzeit stecken, umso grösser wird die Wertschätzung sein, die dem aufgetischten Menü entgegengebracht wird. Und: Je attraktiver ein Menü aussieht, umso bewusster nimmt man es wahr und kann es dann auch wirklich wertschätzen.

Was planen Sie punkto gesund und leicht essen für die kommende Herbstsaison?

Ich bin keine wirkliche Planerin. Ich lasse mich zum Beispiel von Kürbis, Kastanien oder Feigen inspirieren. Kochen ist für mich in erster Linie Gefühlssache. Dabei koche ich jeden Tag etwas anderes, gerade so, wie ich mich dann eben fühle. Anders gesagt: Wenn die Sonne scheint, koche ich etwas anderes, als wenn draussen der Regen an die Fensterscheiben trommelt.

Wie wichtig ist Ihnen das Essen in der Gemeinschaft?

Das ist für mich das Allerwichtigste. Das gemeinsame Essen bringt Menschen zusammen. Und zwar auf der ganzen Welt. Das habe ich unter anderem auch auf meinen zahlreichen Reisen erfahren. Gemeinsam an einem Tisch ein feines Essen zu geniessen, ist das Grösste, was es für mich gibt.

Welche Rolle spielen für Sie frische Produkte und regionale Anbieter?

Eine immer grössere. Vor zwei, drei Jahren war mir dies noch nicht so wichtig. Heute achte ich darauf, dass ich beim Einkaufen lokale und regionale Produzenten berücksichtige.

Was essen Sie selber gerne?

Alles, was gut ist (lacht). Wichtig sind mir viel Gemüse, Früchte und nahrhafte Zutaten – selbstverständlich frisch zubereitet. In raffinierten Kombinationen sorgt das für wahre Geschmacksexplosionen im Mund. Fleisch esse sich heute keines mehr, Fisch ab und zu, aber nur, wenn ich irgendwo an einer Küste am Meer bin.

Food-Künstlerin. Sie hat zahlreiche Follower auf Instagram und bereits zwei Kochbücher veröffentlicht.