Schweizer Landwirte würden immer weniger Geld verdienen, obwohl sie immer effizienter arbeiten, hält Barbara Steiner fest. Ein Grund dafür sieht sie in der Problematik, dass Lebensmittel immer billiger werden.

Sie führt einen Vergleich an: «Als ich 18 Jahre alt war, hat uns ein Lehrer die Aufgabe gestellt, zu Hause unsere Eltern zu fragen, welcher Anteil des Familieneinkommens für Lebensmittel ausgegeben wird.

Die Schweizer Landwirtschaft hat einen Absatzmarkt für ihre Produkte, und mit kurzen Transportwegen und ohne geheiztes Treibhaus ist der CO2-Ausstoss viel geringer

Der Klassendurchschnitt belief sich damals auf rund 14 Prozent. Meine eigene Familie gibt heute rund neun Prozent des Haushalteinkommens für Lebensmittel aus, wobei ein guter Anteil daran Bio-Lebensmittel sind.» Gemäss Bundesamt für Statistik liegt der Anteil für 2013 bei durchschnittlich 6,4 Prozent. Das sind Zahlen, so Steiner, die für sich selber sprechen.

Für die Zukunft wünscht sich die Diplom-Agraringenieurin ETH ein geschärftes Bewusstsein der Konsumenten für regionale und saisonale Produkte. Das sei eine Win-win-Situation für Konsumenten, die Landwirtschaft und die Umwelt.

«Eine Tomate oder eine Erdbeere schmeckt nie so aromatisch, wie wenn sie einen kurzen Transportweg hinter sich hat und an der Sonne gereift ist. Die Schweizer Landwirtschaft hat einen Absatzmarkt für ihre Produkte, und mit kurzen Transportwegen und ohne geheiztes Treibhaus ist der CO2-Ausstoss viel geringer.» Gute Nahrung koste etwas und dürfe etwas kosten, betont Steiner.

«Neben dem Schweizer Pouletfleisch im Kühlregal des Grossverteilers steht das Import-Pouletfleisch zum Beispiel aus Brasilien, fast zum halben Preis.» Ein Teil des Mehrpreises sei durch die höheren Tierschutzanforderungen in der Schweiz begründet. «Der Konsument muss sich bewusst sein, dass er mit dem höheren Preis einen Mehrwert abgilt», betont Steiner.

Bio heisst Mehraufwand

Was die heutigen Ernährungsgewohnheiten betrifft, konstatiert Barbara Steiner eine Entfremdung zwischen landwirtschaftlicher Produktion und dem Essen. Gründe dafür seien unter anderem, dass wir uns immer mehr ausser Haus verpflegen würden, wo das Angebot nicht unbedingt so sei, wie man sich ein Menü selber zusammenstellt.

Viele Konsumenten hätten sich auch an den Geschmack der industriellen Nahrung gewöhnt. «Zudem fehlt das Bewusstsein für das saisonale und einheimische Angebot.»

Je länger, je mehr Landwirte setzen heute auf Bio-Produkte. «Für den Bauern oder die Bäuerin bedeutet dies einen Mehraufwand bei der Produktion», erläutert Barbara Steiner. Sie führt zwei Beispiele für die Produktion nach Bio-Suisse-Richtlinien an: Die Kühe werden mit mindestens 90 Prozent Raufutter gefüttert.

Auf Kraftfutter wird weitgehend verzichtet. Ebenso verzichtet der Bio-Bauer auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Hilfsmitteln. «Das ist für den Landwirt mit einem Mehraufwand verbunden, da die Unkräuter mechanisch bekämpft werden müssen. Zusätzlich resultiert ein geringerer Ertrag wegen des eingeschränkten Düngereinsatzes.»