Als in den neunziger Jahren erkannt wurde, dass die Kabeljau-Bestände vor Neufundland alarmierend dezimiert waren, setzten sich Umweltschützer, Wissenschaftler und Industrievertreter zusammen. Sie gründeten den Marine Stewardship Council, der unter seinem Kürzel MSC nachhaltig arbeitende Fischereien auszeichnet. Standards wurden entwickelt, um Fischbestände langfristig zu schützen. Heute ist MSC eine unabhängige, gemeinnützige Nonprofit-Organisation mit Hauptsitz in London.

«Die MSC-Zertifizierung steht grossen wie ganz kleinen Fischereibetrieben offen.»


Zwar dürfen erst acht Prozent der weltweiten Fangmenge mit dem MSC-Logo gekennzeichnet werden, aber die Pressesprecherin für die deutschsprachigen Länder in Berlin, Gerlinde Gertlinger, betont, dass das Interesse wächst und immer mehr Fischereien ihre nachhaltige Arbeitsweise von unabhängiger Seite bestätigen lassen wollen: «Fischer sehen bei ihren Kollegen, dass das MSC-Zertifikat Vorteile bringt, zum Beispiel neue Kundschaft.» Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass der MSC-Standard nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern tatsächlich auch ‹auf dem Meer› für messbare Verbesserungen sorgt. Die Bestände der Hokifischerei in Neuseeland etwa konnten so weit aufgebaut werden, dass sie heute wieder auf sicheren Niveaus sind, und vor Südafrika haben neue Fangmethoden der zertifizierten Seehechtfischerei dazu geführt, dass der Beifang an Albatrossen massgeblich gesenkt wurde.

Zertifizierung
Die MSC-Zertifizierung steht gros­sen wie ganz kleinen Fischereibetrieben offen. Die Fischereien müssen allerdings beweisen, dass sie die MSC-Prinzipien erfüllen, etwa die Fischbestände nachhaltig nutzen. Zertifizierte Fischer werden regelmässig kontrolliert, damit sie dem marinen Ökosystem keinen irreversiblen Schaden zufügen. Auch das Fischereimanagement wird in einer MSC-Bewertung unter die Lupe genommen. Darunter versteht man verschiedene Methoden, die die Fischerei regulieren, wie beispielsweise die Begrenzung der Fangtage, Fanglizenzen etc. Nur wenn das Management als effektiv beurteilt wird, darf die Fischerei ihren Fang mit dem MSC-Siegel kennzeichnen.

Nachhaltiger Fischfang
Entwicklungsländer sind abhängig von Fisch als einer wichtigen Eiweissquelle. Auch dort ist nachhaltiger Fischfang möglich. In den entwickelten Ländern gilt Fisch als gesunde Abwechslung in der täglichen Ernährung. Werden Fische mit dem MSC-Label eingekauft, können sie auch guten Gewissens genossen werden. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit höchster Sensibilisierung der Gourmets. Hier gibt es derzeit im Handel knapp 1000 Produkte mit dem MSC-Siegel.