Wie kamen Sie dazu, in Zuoz Kaffee zu rösten?
Caffè Badilatti ist seit drei Generationen ein Familienbetrieb. Eigentlich ist es Zufall, dass wir hier Kaffee rösten. Wie viele Bündner war auch mein Grossvater in jener Zeit gezwungen auszuwandern. Er fand bei Verwandten in Rom eine Anstellung. Diese Verwandten betrieben, wie damals in Italien üblich, eine Kaffeerösterei, genannt Boncaffè Bondolfi, mit Spezialitätenladen. 1912 wurde in Italien das Arbeitsrecht für Ausländer geändert und mein Grossvater kehrte zurück in die Schweiz. In Zuoz konnte er einen Lebensmittelladen übernehmen, in welchem er nach italienischem Vorbild auch frisch gerösteten Kaffee verkaufte. 1947 übernahm mein Vater das Geschäft und richtete, getrennt vom Verkaufsladen, eine Kaffeerösterei ein. 1976 trat ich in die elterlichen Fussstapfen. Die Geschäftstätigkeit wurde auf die Kaffeerösterei konzentriert und der Lebensmittelladen aufgegeben.

Der bekannte St. Moritz Café stammt auch aus Ihrer Rösterei. Wie kam es dazu?
Das geschützte Label «St. Moritz Café» entstand unter dem Motto «Not macht erfinderisch». Im Jahre 2003 mussten wir uns etwas einfallen lassen, denn der Markt wurde rasant mit den Nespresso-Kapseln und den Nachahmerprodukten überschwemmt. Zudem etablierten sich immer mehr billige Take-Away-Verkaufsorte und billige Kettenläden. So kam es, dass wir den «St. Moritz Café» lancierten, welcher seither sehr erfolgreich lokal wie auch als Exportprodukt vertrieben wird. Wir profitieren vom weltweiten Renommee des Kurortes St. Moritz – und natürlich schmeckt der Kaffee auch vorzüglich.

Woher stammen Ihre Kaffeebohnen?
Wir sind stolz darauf, dass unsere Bohnen praktisch nur aus nachhaltiger und menschenfreundlicher Produktion stammen. Ich bereise selbst die Kaffeeplantagen und beurteile vor Ort die Qualität und Nachhaltigkeit der Betriebe. Insbesondere lege ich Wert darauf, dass die Plantagen klein sind und es sich nicht um Massenproduktionen handelt. Wir beziehen die Kaffeebohnen aus verschiedenen Regionen Indonesiens, Brasiliens und Zentralamerikas, aber auch aus exquisiten Anbaugebieten wie Galapagos, Hawaii oder Jamaika, was unsere Kundschaft sehr schätzt.

Nach welchen Verfahren werden Ihre Bohnen geröstet?
Wir rösten nach dem Slow-Food-Prinzip. Die Bohnen werden langsam geröstet und machen somit den Kaffee bekömmlicher und angenehmer im Geschmack. Sie werden 17-18 Minuten bis in den Kern geröstet. In den industriellen Röstereien dauert die Röstung nur gerade 6-7 Minuten. Mit unserem Röstverfahren erzielen wir einen Kaffee mit weniger Säure und ein kräftigeres Aroma.

Welches sind Ihre neusten Produkte und was sind die Visionen für die Zukunft?
Wir legen Wert darauf, jedes Jahr etwas Neues zu präsentieren. Unsere Lancierung im 2014 war der «Nicaragua la Bastilla». Das ist ein Terroir-Kaffee, das heisst, die Bohnen stammen aus einem bestimmten Gebiet und aus nur einer Kaffeesorte. In diesem Fall handelt es sich um eine besondere Varietät von Arabica. Die Röstung ist dunkel, mit wenig Säure und schmeckt nach dunkler Schokolade. Ein Kaffee für Liebhaber eines kräftigen Kaffees.
Mein Ziel ist es, uns in den nächsten zwei Jahren mit dem Exportgeschäft in China zu etablieren.

Welches ist Ihr Lieblingskaffee?
Es ist natürlich auch oft eine Stimmungssache, welchen Kaffee man für bestimme Momente bevorzugt. Beim Espresso-Kaffee bevorzuge ich die Mischung «Espresso-Bar», welche aus Bohnen aus Brasilien, Indien und Indonesien zusammengesetzt ist. Sie weist wenig Säure aus, ist kräftig und dunkel geröstet. Beim Kaffee Crème bevorzuge ich die Mischung «Bernina», die mild ist und ein bisschen Säure aufweist. Es ist eine 100-prozentige Arabica-Mischung mit Kaffees aus Asien, Zentralamerika und Brasilien.
Was passiert mit der höchstgelegenen Rösterei Europas nach Ihrer Pensionierung?
Meine drei Kinder werden den Betrieb höchstwahrscheinlich nicht übernehmen, aber im erweiterten Familienkreis sind Interessenten vorhanden.

Freuen Sie sich auf den Moment des Rückzuges?
Zurzeit bin ich noch ganz mit den Tagesgeschäften absorbiert und voller Tatendrang. Ich bin immer noch fasziniert von der Kaffeebranche. Ich bin dankbar für jeden Tag und schätze meine sehr guten Mitarbeitenden. Ich pflege eine offene Kommunikation und habe keine Geheimnisse. Das hat sich bewährt und schafft Vertrauen zwischen Chef und den Mitarbeitenden. Daher ist die Pensionierung für mich noch nicht in Reichweite, aber ich werde, wenn es soweit ist, meinen Ruhestand mit Sicherheit mit ausgedehnten Kaffeerunden geniessen.