«Ein guter Kaffee muss schwarz wie die Nacht, heiss wie die Liebe und so süss oder bitter wie das Leben sein», lautet ein bekanntes Sprichwort. Ganz offensichtlich ist Kaffee mehr als einfach nur ein Getränk. Wen wundert’s, dass in Europa sowie in den Vereinigten Staaten Kaffee, nach Wasser, die Nummer zwei unter den Getränken ist? Hierzulande sind es über acht Kilo Rohkaffee, die Schweizerinnen und Schweizer wegkonsumieren. Noch grössere Kaffeeliebhaber sind die Finnen, die es auf rund 12 Kilo pro Kopf bringen.

Mythen, Märchen, Sagen
Um die Entdeckung des beliebten Getränks ranken sich jede Menge Geschichten – viele davon hübsch anzuhören, aber leider falsch. So sollen es beispielsweise Ziegen gewesen sein, die den Kaffee entdeckt haben. Was man aber sicher weiss: Die erste Kaffeepflanze wurde bereits um das Jahr 800 in Äthiopien, in der Region Kaffa, kultiviert, und man nimmt an, dass die Kaffeekirschen als vergorener Saft genossen wurden, wegen der stimulierenden Wirkung. Diese Wirkung nutzte auch der Orden der Sufis im 15. Jahrhundert in Jemen, die sich damit für ihre religiösen Zeremonien wach hielten. Von Jemen aus trat der Kaffee seinen Siegeszug im ganzen Orient an, ins westliche Europa gelangte er allerdings erst im 17. Jahrhundert durch die Türken. Auch dazu gibt es eine schöne Geschichte: Nach der erfolglosen Belagerung von Wien im Jahr 1683 verliessen die Türken die Stadt fluchtartig und liessen fünfhundert Säcke mit grünen Kaffeebohnen zurück. Die Wiener glaubten, das sei Kamelfutter. Der polnische Geschäftsmann Georg Kolschitzky wusste es aber besser: Er röstete die Bohnen und soll angeblich das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet haben.

Eine botanische Seltenheit
Die Pflanzengattung, an der die Kaffeebohnen wachsen, heisst «Coffea» und gehört zur Familie der Rubiaceae (Rötegewächse). Sie umfasst etwa 70 Arten, die überall in den Tropen wachsen. Die Blütezeit erstreckt sich über mehrere Monate und die klimatischen Bedingungen rund um den Äquator sind das ganze Jahr nahezu gleich. Dadurch geschieht es häufig, dass eine Pflanze gleichzeitig Blüten und Früchte trägt – eine botanische Seltenheit. Die kirschenähnlichen Früchte entwickeln sich sieben bis neun Monate nach der Befruchtung. Die Farbe der Kaffeekirschen wechselt während der Reifephase von Grün über Gelb zu Rot. Erst durch die Röstung verfärbt sich die Bohne braun. Ausgewachsene Bäume bringen zwischen fünf und acht Kilogramm Kaffeekirschen hervor, woraus sich etwa zwei Kilogramm Kaffeebohnen gewinnen lassen. Der grösste Kaffeelieferant ist Brasilien, gefolgt von Kolumbien.

Die Mischung macht´s
Nur selten wird ein perfekter Kaffee mit nur einer Sorte erreicht. Daher ist fast jeder Kaffee das Ergebnis einer Mischung aus Bohnen unterschiedlicher Art, Sorte und Herkunft. Arabica gilt als die beste Kaffeesorte. Sie enthält nur halb so viel Koffein wie die Robusta und hat ein feines Aroma mit milder Säure. Etwa 70 Prozent der Weltproduktion stammen von dieser Sorte ab. Robusta ist eine widerstandsfähige Kaffeesorte, die bereits in Höhenlagen von 200 bis 300 Metern gedeiht, was den Anbau und die Pflege der Plantagen erleichtert. Für ein optimales Ergebnis werden die Bohnen noch vor dem Rösten gemischt. Sein unverwechselbares Aroma bekommt der Kaffee nach dem Rösten. Bei einer Temperatur von 200 bis 250 Grad werden die in den Bohnen enthaltenen ätherischen Öle freigesetzt.

Auch für die Gesundheit
Kaffee hatte in Sachen Gesundheit lange Zeit einen schlechten Ruf. Trotz etlichen Forschungen fand man aber bis heute keinen klaren Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und dem Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt oder anderen Herzkrankheiten. Und in normalen Dosen steigert das Koffein die Konzentrationsfähigkeit sowie die Lernbereitschaft. Also halten wir es doch mit dem deutschen Theologen Detlev Fleischhammel: «Nur eins ist besser als eine Tasse guter Kaffee: zwei Tassen guter Kaffee.»