«Damit die Kleinbauern im Kaffeeanbau eine sichere Zukunft haben, müssen sie ihre Ernte auch zu einem fairen Preis verkaufen können», betont Karin Altherr von der Max Havelaar-Stiftung, die in der Schweiz das Fairtrade-Gütesiegel vergibt. Dies ist aber längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit. «Da auf dem weltweiten Nahrungsmittelmarkt die Preise enorm schwanken, gibt es bei Fairtrade deshalb einen Mindestpreis, der wie ein Sicherheitsnetz wirkt und die Produzenten vor starken Preisschwankungen nach unten schützt», erklärt Altherr. Dadurch verbessert sich die Einkommenssituation der Kleinbauern, sie verfügen über mehr finanzielle Stabilität und damit Planungssicherheit.

Aus eigener Kraft verbessern
Als Konsumenten könnten wir aktiv dazu beitragen, dass fair gehandelte Produkte ihren Absatz finden, betont die ausgebildete Wirtschaftswissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Bereich Fairtrade-Kaffee. «Fairtrade-Kaffee in diversen Geschmacksprofilen ist heute in vielen Läden erhältlich. Auch immer mehr Gastronomiebetriebe bieten ihren Gästen den Mehrwert, beim Kaffeegenuss einen Beitrag an den nachhaltigen Anbau und fairen Handel zu leisten.» Dass Menschen, wo auch immer sie leben, ein Recht auf menschenwürdige Arbeits- und Existenzbedingungen und auf ausreichend Nahrung haben, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Um diesem Ziel näherzukommen, stärkt Fairtrade Kleinbauern und Plantagenarbeiter in Entwicklungs- und Schwellenländern, damit diese ihre Lebensbedingungen aus eigener Kraft nachhaltig verbessern können. Zentrale Instrumente sind neben dem Mindestpreis und fairen Handelsbedingungen starke und demokratisch organisierte Produzentenorganisationen sowie nachhaltiger Anbau und Unterstützung vor Ort. «Das Gütesiegel steht somit für nachhaltig angebaute und fair gehandelte Produkte», so Altherr.

Prämien für Investitionen
Wichtig ist bei Fairtrade auch die Prämie, welche die Kleinbauernorganisationen zusätzlich zum Preis für den Kaffee erhalten. Dies ermöglicht nebst Investitionen in Produktivität und Qualität die Realisierung von nachhaltigen Projekten wie den Bau von Schulen, Brunnen oder den Ausbau der medizinischen Versorgung. Welche Projekte realisiert werden, entscheiden die Kleinbauern selber. Dank dieser Mitbestimmung in demokratisch organisierten Kooperativen können die Betroffenen Eigenverantwortung übernehmen. Der internationale Dachverband Fairtrade International ist zuständig für die strategische Ausrichtung und die Entwicklung der Standards. Er wird getragen durch die Produzentennetzwerke und die nationalen Fairtrade-Labelorganisationen. Die Fairtrade-Produzentennetzwerke wiederum vertreten die Interessen der Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützen die Produzenten vor Ort durch lokale Berater.

6 Millionen Menschen profitieren
Die Zertifizierungsstelle FLO-CERT GmbH funktioniert dabei als akkreditierte Zertifizierungsorganisation. «Als unabhängige Stelle kontrolliert und zertifiziert sie die Produzenten und Händler hinsichtlich der Einhaltung der geltenden Fairtrade-Standards», erklärt Altherr. Nationale Fairtrade-Labelorganisationen (rund 20 weltweit), darunter auch die Max Havelaar-Stiftung Schweiz, vergeben das Fairtrade-Gütesiegel. Dass das Modell Erfolg versprechend ist, belegen die Zahlen: Heute existieren über 1100 Fairtrade-zertifizierte Produzentenorganisationen mit mehr als 1.3 Millionen Kleinbauern und Arbeiterinnen in 70 Ländern. Sechs Millionen Menschen profitieren davon, dass sich ihre Existenz dadurch verbessert hat. Die bezahlten Fairtrade-Prämien haben 2013 die Grenze von 100 Millionen Franken überschritten. Mittlerweile gibt es Fairtrade-Standards für über 300 Rohstoffe und mehr als 125 Länder, in denen Fairtrade-zertifizierte Produkte erhältlich sind.