Die Produktionskette des Kaffees von der Pflanze bis in die Tasse ist lang. Der Teil des Wertschöpfungsprozesses, der in der Schweiz stattfindet, ist in erster Linie durch Akteure des internationalen Rohkaffeehandels, die Kaffeeimporteure, die Kaffeeröster und die Gastronomie geprägt.

Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohkaffeehandel bis zu dem Verkauf der verarbeiteten Produkte und der Herstellung von Kaffeemaschinen, erwirtschaftet die gesamte Schweizer Kaffeebranche rund fünf Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht einem knappen Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Kaffee als Spekulationsobjekt

Der Grossteil des internationalen Kaffeehandels findet aber meist nur indirekt über die Schweiz statt. Die sechs Millionen Tonnen werden dabei nicht in die Schweiz importiert und wieder exportiert, sondern werden an den internationalen Kaffeebörsen elektronisch gehandelt. Die administrative Verwaltung der täglichen Transaktionen für Arabica-Kaffee wird mehrheitlich in New York und für Robusta-Kaffee in London getätigt.

«Durch diesen Handel verdienen zahlreiche Parteien am Weiterverkauf ganzer Ernten, ohne dass sie sich um das Produkt und dessen Entstehung kümmern», sagt Kaffee-Experte Desta Kebede. Er importiert Rohkaffee aus Äthiopien und verkauft ihn als Premium-Produkt. Er setzt sich mit grossem Engagement für direkten Handel des Kaffees ein und hat dazu das Konzept des Wertschöpfungskreislaufes entwickelt. Mit einem Teil des erwirtschafteten Gewinns finanziert er direkt Bildungs- und Ernährungsprojekte in Äthiopien.

Vielzahl von Labels verwirrt den Konsumenten

Auf nahezu jeder Kaffeepackung findet der Konsument ein Label, das den fairen Handel mit dem angebotenen Kaffee suggeriert. Immerhin braucht es 2,5 Kilogramm Kaffeekirschen vom Strauch, um 400 Gramm gerösteten Kaffee in die Packung zu bekommen. Und diese Früchte werden alle von Hand gepflückt. Insider der Branche behaupten, die meisten Labels für fairen Handel seien meist einfach Marketinginstrumente, die dem Konsumenten ein gutes Gefühl vermitteln sollen. Fairer Handel ist weder gesetzlich noch handelstechnisch geregelt und wird daher auch so gehandhabt. Hier bedarf es noch grosser Anstrengungen, will man dieses Problem denn auch wirklich nachhaltig lösen.

Wie können Kaffeeanbau und Kaffeehandel fair werden?

«Wir als privilegierte Händler und Konsumenten sollten diese Macht dazu nutzen, für Gerechtigkeit zu sorgen und dem Urprinzip der Kooperation – das ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen begründet – gerecht zu werden», betont Kebede. Er ist auch überzeugt, dass aufgrund der grossen Bedeutung des Kaffeehandels weltweit die entsprechende Wertschöpfung des Kaffees die ganze Weltwirtschaft betrifft.

Und das beginnt auch im Kleinen. «Wir haben regelmässigen und direkten Kontakt zu den Arbeitern vor Ort. Die Plantagen werden periodisch und persönlich von uns besucht und es findet ein direkter Austausch mit den Arbeitern statt. Auch das anliegende Dorf soll von der Kaffeekultur profitieren. Diese Philosophie und Vision bedingt, Verantwortung für die äthiopischen Menschen zu übernehmen und ihnen die mehr als verdiente Wertschätzung und Achtung entgegenzubringen.»