«Wer vergisst, wie man die Erde beackert und das Feld bestellt, vergisst sich selbst» – dieses Zitat des indischen Freiheitskämpfers Mahatma Gandhi umschreibt ziemlich treffend unsere wohlstandsverwöhnte Erste Welt, in der die Menschen zum grössten Teil nicht mehr an der Produktion und Gewinnung der eigenen Nahrung beteiligt sind.

Stattdessen kaufen wir unsere Lebensmittel in der Regel beim Grossverteiler, wo im besten Fall auch biologisch und regional produzierte Produkte angeboten werden. Was sich bei Alt und Jung im Einkaufswagen oder auf dem Kassenband türmt, lässt oft eine erschreckend schlechte Ernährungskompetenz vermuten.

Der Miteinbezug von Umweltaspekten zeigt auf, dass die Auswirkung des eigenen Ernährungsverhaltens über die Dimension der persönlichen Gesundheit hinweg erkannt wird

Offensichtlich ist vielen absolut nicht bewusst, welche negativen Auswirkungen - unmittelbar und längerfristig – die unausgewogene Ernährung auf ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden hat, oder, noch bedenklicher, das Wissen darum wird verdrängt.

Es versteht sich fast von selbst, dass bei so gelagerten Kaufentscheidungen auch der ökologische Fussabdruck der Lebensmittel nicht in Betracht gezogen wird.

Parallel zur Entfremdung der Lebensmittelherstellung und -zubereitung wächst das Interesse an ernährungsökologischen Fragen: Die seit Jahren steigende Nachfrage nach nachhaltig erzeugten Nahrungsmitteln und Produkten aus fairem Handel zeigt auf, dass ein Teil der Bevölkerung hinsichtlich der Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten sehr wohl die Zusammenhänge zwischen individuellem Verhalten und globalen Umweltaspekten erkannt hat.

Wer sich beim Einkauf jedoch vor allem von ökonomischen Kriterien leiten lässt – und dies ist neben dem nachhaltig agierenden Teil unserer Mitmenschen ebenfalls eine wachsende Gruppe – dem ist es völlig egal, ob in seinem Convenience-Menü Soja aus Brasilien oder Palmöl aus Indonesien enthalten ist – notabene beides kostengünstige Zutaten, die von der Lebensmittelindustrie gerne eingesetzt werden, und für deren Gewinnung in den Herkunftsländern Flora und Fauna unwiederbringlich zerstört werden. 

Gedankenlosigkeit und Unwissen gegenüber Umweltaspekten gehen häufig Hand in Hand mit einem ungünstigen Lebensstil und Gleichgültigkeit gegenüber den eigenen physiologischen Bedürfnissen.

Die Kombination von Bewegungsarmut, falscher Ernährung und eventuell weiterer Risikofaktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes Mellitus Typ 2, erhöhte Blutfette und Gicht. Nebst diesen klassischen Wohlstandserkrankungen wird trotz Überfluss auch Mangel- und Unterernährung vermehrt diagnostiziert.  

In meiner Praxis als freischaffende Ernährungsberaterin sind diese Diagnosen und Krankheiten der häufigste Zuweisungsgrund. Die Ernährungsberatung hat zum Ziel, dem Klienten längerfristig einen souveränen und selbstbestimmten Umgang mit seiner Diagnose zu ermöglichen.

Bei einigen Klienten und Klientinnen wirkt die Diagnosestellung wie ein Schuss vor den Bug – was vielleicht über längere Zeit verdrängt wurde, ist nun Tatsache. Erfreulicherweise zeigen viele Klienten und Klientinnen nach anfänglicher Skepsis die nötige Motivation und übernehmen die Verantwortung für ihre Gesundheit.

Dabei ist es mir ein wichtiges Anliegen, früher oder später auch Umweltaspekte im Beratungsgespräch einfliessen zu lassen. Am meisten freue ich mich, wenn die Klienten und Klientinnen plötzlich Ökologie und Nachhaltigkeit selber thematisieren und zum Beispiel Fragen zu empfehlenswerten Labels stellen.

Der Miteinbezug von Umweltaspekten zeigt auf, dass die Auswirkung des eigenen Ernährungsverhaltens über die Dimension der persönlichen Gesundheit hinweg erkannt wird.

Persönlich bin ich zutiefst überzeugt, dass wir alle tagtäglich weiter als nur bis zu unserem Tellerrand denken und handeln sollten, denn längerfristig gesund ist nur möglich mit Nachhaltigkeit und Ökologie!