«Biodiversität braucht Landwirtschaft – Landwirtschaft braucht Biodiversität.»: Dies sei die zentrale Botschaft im internationalen Jahr der Biodiversität 2010 gewesen, sagt Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft.

«Dieses Verständnis ist sehr wichtig für eine nachhaltige Förderung der Biodiversität», so Lehmann. Während als Ressource insbesondere die genetische Vielfalt, also Sorten, Rassen und damit die Züchtung, wichtig ist, steht beim Produkt aus Sicht des Naturschutzes vor allem die Erhaltung von wild vorkommenden Arten im Vordergrund, indem ihnen die entsprechenden Lebensräume durch die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden.

Verbesserung der Qualität

«Mein Ziel ist es, dass ein kohärentes Paket zur Förderung der verschiedenen Aspekte der Biodiversität entsteht», betont Lehmann. Heute liege ein starker Fokus auf der Förderung von Wildarten und seltenen Lebensräumen wie zum Beispiel Hecken in Ackerbauregionen.

Der Konsument muss sich bewusst sein, dass er mit dem höheren Preis einen Mehrwertabgilt

Die für die Landwirtschaft wichtigen Aspekte der genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen und Nutztieren sowie der funktionalen Biodiversität müssten in Zukunft besser gefördert werden. «Was die Förderung von Lebensräumen betrifft, haben wir den Fokus auf die Verbesserung der Qualität gelegt. Dies muss noch verstärkt werden.

Die Förderinstrumente sollen zukünftig aber auch stärker genutzt werden, um die genetische Vielfalt und die funktionale Biodiversität – zum Beispiel Nützlinge – gezielt zu stärken.» Die Förderung der Biodiversität und die damit verbundenen Einschränkungen würden heute noch zu oft als notwendiges Übel verstanden, so Lehmann.

«Man muss es tun, damit es Direktzahlungen gibt», heisse es hinter vorgehaltener Hand. Das heutige System mit detaillierten Auflagen zur Bewirtschaftung müsse sich deshalb so entwickeln, dass die Eigeninitiative und das freiwillige Engagement der Landwirte gestärkt werden.

Neben der klaren Benennung der Ziele sei es wichtig, die Programme administrativ zu vereinfachen und noch vermehrt auf die gewünschten Ergebnisse auszurichten.

Ergebnisorientiert ausgestalten

Für das Bundesamt für Landwirtschaft steht ein vielfältiges, nachhaltig fruchtbares und produktives Agrarsystem im Vordergrund. Die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt ist eine wichtige Voraussetzung dafür. Eigenverantwortung und Initiative der Landwirte seien deshalb mit dauerhaften Anreizen so zu stärken, dass die Ziele im Bereich Biodiversität erreicht werden.

«Die Anreize müssen erstens von den Landwirten verstanden werden. Es ist also klar zu benennen, welcher Aspekt der Biodiversität mit welchen Massnahmen gefördert wird und – das ist wichtig – weshalb», betont Lehmann. Zweitens seien die Anreize so zu gestalten, dass sie gezielt wirken und möglichst keine negativen Nebenwirkungen auf die Produktion haben. Drittens müssten sie ergebnisorientiert ausgestaltet werden.

«Die Direktzahlungen sollen dann ausgerichtet werden, wenn die gewünschten Arten wirklich vorhanden sind, und nicht, wenn der Landwirt die Wiesen am vom Bund festgelegten Zeitpunkt gemäht hat.»