Herr Zacherl, 2003 gewannen Sie bei der Grillweltmeisterschaft den Titel in der Kategorie Geflügel. War der heutige Boom zu der Zeit schon absehbar?

Grillverrückte gab es wohl immer. Man traf sich aber eher bei Meisterschaften. Ich habe Mannschaften kennengelernt, die ein halbes Jahr oder länger trainieren. Dass dieser Trend sich verbreitet,  lag nahe. Mittlerweile ist Grillieren als Event auch in die Privathaushalte eingezogen.

Grillieren ist heute ein Lifestyle. Das Equipment wird immer aufwendiger, die Kreationen auf dem Rost immer ausgefallener. Was macht Ihrer Meinung nach die Faszination des Grillierens aus?

Grillieren ist schon mal grundsätzlich positiv besetzt: Das Wetter ist gut, ich bin draussen, habe Zeit und nette Leute um mich herum. Und wenn dann noch leckeres Essen dazukommt, ist alles perfekt. Grillieren hat auch etwas Archaisches. So haben sich vielleicht unsere Vorfahren gefühlt,  als sie sich das Feuer untertan gemacht haben und endlich in der Lage waren, Nahrung zu garen. Was ja einen erheblichen Fortschritt in der Evolution der Menschheit bedeutete. Heute ist es leider mehr Lifestyle.

Männer interessieren sich für die Zubereitung von Fleisch, während bei Frauen auch vegetarisches Grillieren immer beliebter wird.

Warum bedauern Sie diesen Trend?

Na ja, ich finde, man sollte lieber einen weniger stylishen Grill hinstellen und dafür hochwertige Lebensmittel drauflegen. Equipment ist nicht alles. Man sieht ja immer wieder, dass es die beste Ausstattung sein muss, aber dann an der Qualität des Fleisches gespart wird. Mir wäre es andersherum lieber.

Welche aktuellen Grilltrends beobachten Sie?

In unserer Kochschule in Berlin wollen die Kunden vor allem das System des Smokens kennenlernen. Männer interessieren sich für die Zubereitung von Fleisch, während bei Frauen auch vegetarisches Grillieren immer beliebter wird. Mittlerweile kann man auf dem Grill auch Brot, Kuchen oder Pizza backen. Da ist für jeden etwas dabei. Der Trend geht klar zum Barbecue, das heisst, es werden grössere Fleischstücke langsam bei mittlerer Hitze gegart.

Braucht man dazu einen bestimmten Grill?

Es funktioniert jeder Grill, den man mit einem Deckel verschliessen kann, sodass eine Umlufthitze entsteht. Eine andere Variante des Barbecues ist das Räuchern in einem Smoker.

Was und wie grillieren Sie am liebsten?

Ich bevorzuge einen Gasgrill, denn ich habe es gerne schnell und bequem. Aber wenn ich etwas Besonderes machen möchte, benutze ich den Smoker.

Zum Beispiel?

Ein Schweinebauch am Stück,  den ich zuvor drei bis vier Tage mariniert habe. – Mit frischem Ingwer, Chili, Ahornsirup, Currypulver, Sesamöl, Sojasauce, Fischsauce, schwarzem Pfeffer, geröstetem Koriander und Zitronengras. Das Fleisch wird dann drei bis vier Stunden geräuchert. Ich finde, man sollte das Fleisch auch immer selbst einlegen. Es gibt zahlreiche Varianten von leckeren Marinaden. Aber auch ganze Fische vom Grill finde ich sehr schmackhaft. Als Beilage kann man die Folienkartoffel auch mal mit Käse oder Lorbeerblättern aufpeppen oder einen ganzen Kohlkopf mitgrillieren.