Was bedeutet «Genuss» für Sie?

Genuss bedeutet für mich Zeit. Zeit für das Kochen, Zeit für Freunde und Zeit, mein Essen selbst zu geniessen. Wenn ich meine Freunde einlade, wofür ich leider oft zu wenig Zeit habe, ist es ein Genuss für mich, ihre Gesichter zu sehen, sobald ich ihnen das Essen serviere. Wenn sie dann ganz still sind, mein Essen probieren, es ihnen schmeckt und sie dann darüber sprechen, das ist Genuss für mich. Natürlich sind die richtige Getränkeauswahl und ein guter, zum Essen passender Wein auch ein Genuss (lacht).

Wann oder wie entdeckten Sie Ihre Freude am Kochen?

«Genuss bedeutet für mich Zeit. Zeit für das Kochen, Zeit für Freunde undZeit, mein Essen selbst zu geniessen.»

Da war ich sehr jung. Als ich etwa 13 oder 14 Jahre alt war, mussten wir in der Schule ein Praktikum absolvieren. Da ich bereits oft für meine Eltern kochte, machte ich das Praktikum in einem Hotelrestaurant. Das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich mir anschliessend einen Wochenend-Job in einem schönen Café suchte und später eine Ausbildung als Köchin begann.

Gibt es signifikante Unterschiede zwischen den kulinarischen Genüssen der Schweiz und Ihrer Heimat Australien?

Ja, und wie! Ich bin in Sydney aufgewachsen, einer Grossstadt mit mehr als 90 Nationalitäten. Dementsprechend gibt es dort viele kulinarische, insbesondere asiatische Einflüsse. Zudem gibt es auch eine grosse Auswahl an Meeresfrüchten, da Sydney am Wasser liegt. Die Schweizer Küche ist eher an die traditionelle französische Küche angelehnt. Während meine Cuisine eher eine Fusion aus der ganzen Welt ist, die auf der Verarbeitung vieler Gewürze beruht.

Gibt es eine Verbindung zwischen Heimat und Geschmack?

Ja sicher. Doch Essen und Gerüche sind sicherlich nicht nur Heimat. Es ist vielmehr die Erinnerung. Man riecht etwas und erinnert sich zum Beispiel daran, wo man die letzten Ferien verbracht hat. Und das ist doch etwas Schönes.

Was macht ein Gourmetmenü aus?

Frische Zutaten und hochwertige Gewürze sind sehr wichtig. Wenn man ein gutes Essen zubereiten möchte, muss schon eine hohe Basisqualität der Lebensmittel vorausgesetzt sein. Ich selbst versuche möglichst auf lokale Produkte zurückzugreifen. Diese müssen nicht zwangsläufig das Bio-Siegel tragen, solange eine gute Qualität zu erkennen ist. Wichtig ist eher, dass es sich um ein nachhaltiges und natürliches Lebensmittel handelt. Denn dann kann auch auf Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe wie zum Beispiel Glutamat verzichtet werden.

Also können Sie beim Kochen niemals auf Gewürze verzichten?

Richtig! Es ist eigentlich die grosse Auswahl in meiner Schublade, mit mehr als 50 Gewürzen, die es ausmacht. Frische Zitrone, Ingwer, Kräuter, gemahlener Kreuzkümmel, Koriander, Zitronengras, ganz feine Tomaten und native lemon pepper aus Australien dürfen in meinem Schrank nicht fehlen (lacht)!

Sie sind ebenfalls als Food-Stylistin tätig. Was sagen Sie zu dem Sprichwort «Das Auge isst mit.»?

Es ist wahr. Denn das Auge ist der erste unserer Sinne, der das Essen wahrnimmt, dann die Nase und zuletzt der Gaumen. Daher lege ich seit Beginn meiner Kochausbildung grossen Wert darauf, einen Teller schön herzurichten.

Was sind Ihre Tipps für ein Festtagsessen?

Eigentlich nur: ruhig bleiben (lacht). Es ist einfach, eine gute Gewürzmischung anzurichten, doch man muss sich die Organisation des Kochens gut aufteilen. Deshalb sollte man stets versuchen, einige Tage vorher einzukaufen, vorzukochen oder das Dessert schon einen Tag vorher anzurichten. Denn sind die Abläufe in der Küche gut organisiert, bleibt auch mehr Zeit, die man mit der Familie verbringen kann.