Zu einer duftenden Tasse Kaffee oder Tee gehört es einfach dazu: Ein Guetzli, Biskuit, Gebäck – wie immer man es nennen will, eine gebackene Süssigkeit. Gemäss einer Erhebung von Tchibo stellen zwei Drittel der befragten Personen Kekse auf den Tisch, wenn Besuch zur Kaffeezeit vorbeischaut. Und drei Viertel der Cafébesucher schätzen es, wenn sie zu ihrem Heissgetränk ein Guetzli bekommen. Tatsächlich hängt die Entstehung von Kleingebäck eng zusammen mit dem Aufkommen von Kaffee und Tee. Die Damen der besseren Gesellschaft genossen diese damals noch exklusiven Getränke an den Kaffee- bzw. Damenkränzchen und reichten dazu viele kleine Gebäckstücke, meist leichte Biskuitgebäcke. I

m 18. Jahrhundert war der Zuckerpreis hoch, und so konnten sich nur wohlhabende Adels- und Bürgerfamilien Süssgebäck leisten. Konditoreiprodukte zählten denn auch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein zu den Luxusgütern. Erst als die Gewinnung von Zucker aus der heimischen Futterrübe gelang und der Zucker ein Grundnahrungsmittel wurde, konnte sich auch das gemeine Volk süsse Genüsse leisten – hauptsächlich an hohen Feiertagen wie Weihnachten. Und Konditoreien begannen, ihren Geschäften kleine Kaffeestuben anzugliedern.

Grosse Vielfalt
Natürlich wurde eifrig getüftelt und gerührt, gebacken und probiert, und es kamen immer neue süsse Kreationen aufs Backblech, teils aus der eigenen Küche, teils aus den Profiküchen von Konditoren und Feinbäckern. Die Auswahl wurde immer grösser, und so beschreibt J. Heinrich Kufs, Konditormeister in der Berliner Schlosskonditorei, um 1920 in seinem Fachbuch «Bunte Schüsseln und trockenes Teegebäck» rund 160 Gebäcksorten. Im Vorwort präsentiert er denn auch den originellen Vorschlag, die Guetzli mit den bekanntesten Mädchennamen zu benennen, damit man sie besser auseinanderhalten kann.

Süsses aus aller Welt
Seither hat sich vieles getan, unzählige neue Kreationen wurden gebacken, manche gerieten auch in Vergessenheit. Die industrielle Fertigung machte das Gebäck immer billiger und für wirklich jeden erschwinglich. Und natürlich fanden immer mehr auch ausländische Kreationen auf Schweizer Kaffeetische. Das Macaron beispielsweise, ein französisches Baisergebäck, das es in vielen Farben gibt. Aus Amerika kommen Brownies und Muffins, aus Deutschland die Spitzbuben, aus Holland die Spekulatius und aus England die Ingwer-Kekse. Und wie in fast allen Lebensbereichen gibt es auch bei den Süssgebäcken Trends und Moden. In den letzten Jahren war dies der Cupcake, ein kleiner Kuchen mit Guss oder Cremehaube, meist hübsch verziert und einfach perfekt zu Kaffee oder Tee. Bekannt geworden ist das Gebäck bei uns durch die Serie «Sex and the City», in welcher die Hauptdarstellerin Carrie genüsslich ein pinkfarbenes Exemplar verdrückt. Die amerikanische Spezialität ist allerdings nicht neu, tauchte der Begriff doch bereits 1828 in einem Kochbuch der Amerikanerin Eliza Leslie auf. Und Cupcake nannte sie die Kuchen, weil sie mangels Messbecher eine Tasse (engl. Cup) verwendete.

Zu jeder Gelegenheit
Kaffee oder Tee trinken kann man eigentlich immer, aber den meisten Menschen schmecken die Heissgetränke besonders gut am Morgen als Muntermacher sowie in der Kaffeepause, also in der Arbeitspause, in welcher in der Regel Kaffee, allenfalls auch mal Tee getrunken wird. Doch ganz egal, wann man zu Café crème, Schale, Latte macchiato, Espresso oder Capuccino greift – ein besonderer Genuss wird das Getränk in Kombination mit einem süssen Gebäck. Und damit dieses auch jederzeit frisch genossen werden kann, sollten die Guetzli in einer Blechdose, allenfalls auch in einem Porzellangefäss gelagert werden. Kauft man sie im Supermarkt, kann man sie auch in der Verpackung aufbewahren, sofern man diese nach dem Öffnen wieder gut verschliesst.